System Seller Pokémon: Wie dank der Taschenmonster die GameBoy Verkäufe explodierten

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Nicht nur direkt durch die Verkäufe der Pokémon Spiele profitierte Nintendo, sondern auch indirekt. Egal, ob in Japan, Nordamerika oder Europa: Überall wo Pokémon erschien, stiegen die Verkäufe der GameBoy Modelle wieder. Für viele – vor allem Jüngere – war Pokémon der Grund, überhaupt einen GameBoy zu kaufen. In so einem Fall spricht man von einem System Seller. Diesem verblüffenden Pokémon-Effekt geht dieser Artikel nach.

Zwar erschien 1996 der kompaktere GameBoy Pocket und 1998 der GameBoy Color, die in den Verkaufszahlen enthalten sind. Jedoch können diese Verbesserungen alleine nicht den Anstieg der GameBoy Verkäufe erklären. Insbesondere mit Blick auf die exorbitanten Verkaufszahlen der Pokémon Titel. Hardware findet nur Käufer, wenn es ein gutes Software-Angebot gibt. Einige wenige Spiele sind für Leute schließlich ausschlaggebend, eine Konsole zu kaufen: So genannte System Seller. Von 1996 an verkaufte Nintendo über 80 Millionen Spiele der Pokémon Serie für den Handheld. Pokémon Rot/Blau ist das erfolgreichste GameBoy Spiel aller Zeiten mit über 30 Millionen verkaufter Einheiten.

In einem weiteren Blog Beitrag widmen wir uns dem Pokémon Hype der späten 1990er Jahre, der den Grundstein für die riesigen Umsätze der Serie legte (Pokémon: Vom GameBoy Spiel zum umsatzstärksten Medien-Franchise der Welt).

Ein unerwarteter Erfolg: Pokémon ist ein System Seller in Japan

1989 erschien der GameBoy in Japan. Nach guten Verkaufszahlen zu Beginn in Japan sank die Zahl der abgesetzten GameBoys von Jahr zu Jahr. So ist es bei Konsolen im Allgemeinen üblich. Doch im Geschäftsjahr 1996 sprangen sie wieder schlagartig an. Nur teilweise kann das durch das Erscheinen des GameBoy Pocket erklärt werden. Denn das Spiel Pokémon, das ohne große Erwartungen veröffentlicht wurde, avancierte unerwartet zum System Seller für den GameBoy. Es löste einen nie dagewesenen Hype aus und verkaufte sich alleine in Japan millionenfach.

Pokemon GameBoy Spiel Verkaufszahlen
Anhand der Tabelle wird deutlich, wie stark Pokémon die Hardware Verkäufe beflügelt hat. Quelle: neogaf.com Anmerkung: Das Jahr bezieht sich auf das Geschäftsjahr, das bei Nintendo von April bis März reicht. Beispiel: 1993 sind die Verkaufszahlen von 04/1993-03/1994.

Trotz seines für Konsolen hohen Alters und seiner vergleichsweisen kleinen Upgrades erzielte der GameBoy Ende der 1990er die höchsten Verkäufe in Japan. Der Rekord in Japan im Geschäftsjahr 1998 ist zum Teil dem GameBoy Color zuzuschreiben. Doch gerade das beliebte Pokémon war hier für den GameBoy Color vielfach ein System Seller. Der Pokémon-Effekt ist nicht von der Hand zu weisen. Das bestätigen die Verkaufszahlen auf den anderen Kontinenten.

Auch in Nordamerika sind Pokémon ein System Seller

Atemberaubende Anstiege der Handheld-Verkäufe freuten Nintendo ebenso in Nordamerika. Im Jahr 1999 feierte der GameBoy dort bereits seinen zehnten Geburtstag. Ein für eine Spielekonsole beinahe biblisches Alter, trotz etwas modernerem Anstrich durch den Color. Dennoch bedeutete dieses Geschäftsjahr einen Rekordabsatz. Pokémon Rot und Blau kamen hier Ende September 1998 auf den Markt und wurden auf dem nächsten Kontinent zum System Seller für den GameBoy.

Pokemon GameBoy Spiel Verkaufszahlen Nordamerika
Auch die USA und Kanada blieben von dem Hype um die japanischen Taschenmonster nicht verschont. Das schlägt sich in den Ländern in den GameBoy Verkäufen nieder. Quelle: neogaf.com

Da anders als in Japan der GameBoy Pocket und Pokémon nicht im selben Jahr erschienen, erkennt man hier einen Anstieg der Hardware Verkäufe dank dem kompakteren Pocket. Der moderate Anstieg im Geschäftsjahr 1997 ist folglich dem Pocket zuzuschreiben. Im Jahr darauf erschienen Color und Pokémon Rot und Blau in Nordamerika. 1999 schlägt sich der Pokémon Hype der damaligen Zeit deutlich in den GameBoy Verkaufszahlen nieder und ist das Rekordjahr für die Konsole mit fast 9 Millionen Exemplaren allein in Nordamerika.

Zum Millenium: Der Pokémon-Effekt erreicht Europa

Zwar hat Nintendo die Zahlen für Europa und Australien zusammengefasst. In Australien erschien Pokémon bereits 1998, während die Europäer erst im Herbst 1999 ihr Pokémon-Abenteuer begannen. Doch hier zeigt sich der Pokémon-Effekt umso drastischer. Sowohl der GameBoy Pocket (1996) als auch der GameBoy Color (1998) haben einen positiven Efekt auf die GameBoy Verkauszahlen. Doch erst im Jahr 2000, als der Pokémon-Hype Europa fest im Griff hatte, explodieren die Verkäufe und erreichen ein Rekord-Hoch. Die Pokémon als System Seller schlugen wieder zu.

Quelle: neogaf.com

Wie bereits zuvor in den USA hat Nintendo in Europa die Veröffentlichung der Videospiele mit einer beispiellosen Marketing-Kampagne begleitet. Nicht zufällig lief etwa das Anime mit dem Erscheinen von Pokémon Rot/Blau an.

Hier in der Grafik nicht mehr augeführt, aber 2001 gingen die GameBoy Verkäufe wieder deutlich zurück. Der Grund liegt in der Veröffentlichung des GameBoy Advance, der durch seine 32 Bit den früheren GameBoys (8 Bit) stark überlegen war.

Fazit: Pokémon als System Seller auf allen Kontinenten

Auf allen drei großen Märkten (Japan, Nordamerika, Europa) stiegen dank Pokémon die Verkaufszahlen der GameBoys deutlich. Dieser Pokémon-Effekt ist beeindruckend. So war es Nintendo auch möglich, seinen über zehn Jahre alten Handheld noch länger auf dem Markt zu lassen und die Pokémon als wiederbelebender System Seller ein Grund für den langen Erfolg des GameBoys. Als indirekte Konsequenz des Pokémon Effekts steht somit die verzögerte Einführung eines GameBoy Nachfolgers. Diesen veröffentlichte Nintendo erst 2001 mit dem GB Advance.

Dank ihrer enormen Popularität haben die GameBoy Module heute noch einen gewissen Wert. Heute sind GameBoy Spiele Pokémon Gelb 11€, die Rote/Blaue Edition 12€ wert.